Mikroplastik und Ihre Gesundheit

Erfahre was in dir steckt

"Das Finden von Mikroplastik und endokrin wirksamen Chemikalien in Babynahrung ist genau die frühe Exposition, vor der wir seit Jahren gewarnt haben. Obwohl alarmierend, kratzen wir lediglich an der Oberfläche eines größeren Problems – und doch haben wir bereits genug Informationen, um mit Dringlichkeit zu handeln. Wenn wir es ernst meinen mit der Gesundheit von Kindern, können wir Unternehmen nicht erlauben, ihnen Plastik zu irgendeiner Mahlzeit zu servieren, besonders nicht zu ihrer ersten.“

Dr. Leo Trasande 

Direktor der Division of Environmental Pediatrics der NYU Grossman School of Medicine und des Center for the Investigation of Environmental Hazards der NYU Langone Health  [1]

Die unsichtbare Gefahr: Wie Mikropalstik unseren Körper belastet und was wir dagegen tun können

Wir nehmen es beim Essen auf, wir trinken es, wir atmen es ein. Durchschnittlich gelangen täglich rund 570 Plastikpartikel Mikroplastik in unseren Körper – über Meeresfrüchte, Lebensmittel, abgepacktes Wasser (bis zu 94 Partikel pro Liter), Zucker, Salz und sogar die Luft. Und diese Zahl ist noch drastisch unterschätzt, da winziges Nanoplastik in vielen Studien bisher aufgrund der Messgrenzen gar nicht erfasst wurde über den Großteil der Ernährung keine Zahlen bekannt sind [2]. Mittlerweile wurde Mikroplastik sogar direkt in unserem Blutkreislauf nachgewiesen [3].

Plastik überwindet unsere Schutzschilder

 

Unser Körper hat natürliche Barrieren, um uns vor Schadstoffen zu schützen. Mikro- und Nanoplastik (MNP) ist jedoch teilweise so winzig, dass es diese Barrieren durchbrechen kann:

 

  • Die Blut-Hirn-Schranke: Forschungen zeigen, dass winzige Mikroplastik-Partikel diese extrem wichtige Schutzschicht überwinden können und sich im Gehirn akkumulieren[4].

 

  • Die Darmbarriere: Partikel, die kleiner als 100 Mikrometer sind, können die Darmwand passieren und von dort direkt in den Blutkreislauf schwemmen [5].

 

 

Die Folgen für unsere Gesundheit

Die Anreicherung von Plastik im Gewebe löst im Körper zellulären Stress, DNA-Schäden und chronische Entzündungen aus. Dies könnte zu chronischen Erkrankungen bis hin zur Entwicklung von Krebs führen [6]. Zudem wirkt Plastik oft als "Trojanisches Pferd": Es bindet Giftstoffe, Schwermetalle und Pathogene (Viren und Bakterien) an sich und transportiert diese blinden Passagiere direkt in unsere Organe [6], [7], [8].

Herzkreislauf-System

 

  • Mikroplastik lagert sich direkt in den Gefäßwänden ab (z. B. in den Plaques von Halsschlagadern) [13].

 

  • Patienten, bei denen Plastik in diesen Plaques gefunden wurde, hatten ein dramatisch höheres Risiko: 20 % erlitten im Studienzeitraum einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder starben. Dieser Wert ist in Patienten ohne Plastikablagerungen signifikant niedriger (7,5 %) [13].

 

 

Gehirn, Nervensystem & Zellalterung

 

  • Akkumulation im Gehirn: Bei Autopsien wurden signifikante Mengen an Plastik im menschlichen Gehirn gefunden. Erschreckend: Von 2016 bis 2024 ist diese Menge um 50 % gestiegen. Bei Demenz-Patienten fanden sich sogar bis zu 10-fach höhere Werte [9].

 

  • Es wird zudem vermutet, dass Plastik einen Einfluss auf die steigenden Zahlen an neurodegenerativen Erkrankungen (Parkinson, Alzheimer) hat [10].

 

  • Bei Mäusen wurden nach Ernährung mit Mikroplastik-haltigem Futter Lern- und Gedächtnisbeeinträchtigungen beobachtet [11].

 

  • Beschleunigte Alterung: Neuere Studien belegen, dass Mikroplastik die Mitochondrien (die "Kraftwerke" unserer Zellen) direkt schädigt. Dies beschleunigt den natürlichen Zellalterungsprozess und fördert altersbedingte (kardiovaskuläre) Krankheiten [12].

Magen-Darm-Trakt, Leber & Nieren

 

  • Über das Blut zirkuliert das Plastik im ganzen Körper und lagert sich nachweislich in Leber und Nieren ab [9].

 

  • Im Darm greift oral aufgenommenes Plastik die schützende Schleimschicht an und zerstört das natürliche Gleichgewicht der Darmflora (Mikrobiom-Dysbiose). Dies führt zu systematischen Entzündungen und steht im Verdacht, das Risiko für Darmerkrankungen zu erhöhen [5], [19], [20]. Plastik steht zudem im Verdacht mit Darmkrebs assoziiert zu sein [16].

 

  • Studien zeigen das Risiko einer Insulin Resistenz – in einem Mausexperiment führte die Mikroplastik-Aufnahme sogar zur Entwicklung von Diabetes [19].

 

 

Fruchtbarkeit, Schwangerschaft & Folgen für Kinder

 

  • Fruchtbarkeit: Langzeitbelastung senkt bei Männern den Testosteronspiegel und die Spermienqualität [14], [15]. Bei Frauen reichert Mikroplastik sich in Eierstöcken und Gebärmutter an – bei Männern in den Hoden. Der Hormonhaushalt bei Frauen wird ebenfalls beeinflusst und DNA-Schäden in Eizellen wurden beobachtet [15]. Es wird insgesamt vermutete, dass Mikroplastik schädlich für das reproduktive System ist [16].

 

  • Schwangerschaft: Plastik überwindet die Plazenta und findet sich auch im Fruchtwasser wieder [15]. Bei Aussetzung von Plastik wurden alternierte Gen-Expressionen gefunden und im Mausexperiment wurde bereits im Fötus Plastik (in Leber, Herz, Gehirn, Lunge und Niere) gefunden [15]. In einigen Experimenten waren Neugeborene sogar 7 – 15% kleiner wenn die Mutter Mikroplastik während der Schwangerschaft ausgesetzt war. Eine Studie zeigte zudem eine höhere Sterblichkeitsrate der Föten [15], [17].

 

  • Muttermilch: In einer Studie aus Rom wurde in 75 % der untersuchten Muttermilchproben Mikroplastik nachgewiesen, was bedeutet, dass wir die Belastung direkt an die nächste Generation weitergeben [18].

 

  • Auch wurde die Entzündung von Milchdrüsen in Zusammenhang mit Mikroplastik gebracht [5].

 

  • Eine beunruhigende Menge an Mikroplastik und Verpackungs-assoziierter gefährlicher Substanzen wurde kürzlich in Babynahrung gefunden [1].

 

  • Effekt auf Neugeborene: Im Mausmodell konnten bei den Neugeborenen abnormale Gehirnentwicklungen beobachtet werden. Kognitive Defekte und autistische Züge wurden beobachtet, sowie potentielle Langzeit-Effekte (bis ins Erwachsenen-Leben) und Krankheitsrisiken (Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Herzkreislauf-Erkrankungen) wurden identifiziert [15].

Referenzen

[1]         „Tiny Plastics, Big Problem: Study estimates 11.000 microplastics in a single baby food pouch. - Greenpeace“, Greenpeace. Zugegriffen: 26. Mai 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.greenpeace.org/usa/tiny-plastics-big-problem/

[2]         K. D. Cox, G. A. Covernton, H. L. Davies, J. F. Dower, F. Juanes, und S. E. Dudas, „Human Consumption of Microplastics“, Environ. Sci. Technol., Bd. 53, Nr. 12, S. 7068–7074, Juni 2019, doi: 10.1021/acs.est.9b01517.

[3]         H. A. Leslie, M. J. M. van Velzen, S. H. Brandsma, A. D. Vethaak, J. J. Garcia-Vallejo, und M. H. Lamoree, „Discovery and quantification of plastic particle pollution in human blood“, Environ. Int., Bd. 163, S. 107199, Mai 2022, doi: 10.1016/j.envint.2022.107199.

[4]         V. Kopatz u. a., „Micro- and Nanoplastics Breach the Blood–Brain Barrier (BBB): Biomolecular Corona’s Role Revealed“, Nanomaterials, Bd. 13, Nr. 8, S. 1404, Jan. 2023, doi: 10.3390/nano13081404.

[5]         Z. Wang u. a., „Polystyrene microplastics induce potential toxicity through the gut-mammary axis“, Npj Sci. Food, Bd. 9, Nr. 1, S. 139, Juli 2025, doi: 10.1038/s41538-025-00517-5.

[6]         „Scientists race to understand the health risks of microplastics | Horizon Magazine“. Zugegriffen: 27. Mai 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://projects.research-and-innovation.ec.europa.eu/en/horizon-magazine/scientists-race-understand-health-risks-microplastics

[7]         F. Carriera, C. D. Fiore, P. Avino, F. Carriera, C. D. Fiore, und P. Avino, „Trojan horse effects of microplastics: A mini-review about their role as a vector of organic and inorganic compounds in several matrices“, AIMS Environ. Sci., Bd. 10, Nr. 5, S. 732–742, 2023, doi: 10.3934/environsci.2023040.

[8]         G. Saeed u. a., „Microplastics as Trojan horses: Vectors of pathogens, pollutants, and antimicrobial resistance genes“, Environ. Res., Bd. 300, S. 124365, Juni 2026, doi: 10.1016/j.envres.2026.124365.

[9]         A. J. Nihart u. a., „Bioaccumulation of microplastics in decedent human brains“, Nat. Med., Bd. 31, Nr. 4, S. 1114–1119, Apr. 2025, doi: 10.1038/s41591-024-03453-1.

[10]      C. E. Sofield, R. S. Anderton, und A. M. Gorecki, „Mind over Microplastics: Exploring Microplastic-Induced Gut Disruption and Gut-Brain-Axis Consequences“, Curr. Issues Mol. Biol., Bd. 46, Nr. 5, S. 4186–4202, Apr. 2024, doi: 10.3390/cimb46050256.

[11]      C.-W. Lee u. a., „Exposure to polystyrene microplastics impairs hippocampus-dependent learning and memory in mice“, J. Hazard. Mater., Bd. 430, S. 128431, Mai 2022, doi: 10.1016/j.jhazmat.2022.128431.

[12]      T.-H. Chen u. a., „Microplastics induce mitochondrial dysfunction and accelerate cardiovascular pathogenesis“, Arch. Toxicol., Bd. 100, Nr. 5, S. 1699–1711, 2026, doi: 10.1007/s00204-026-04327-w.

[13]      R. Marfella u. a., „Microplastics and Nanoplastics in Atheromas and Cardiovascular Events“, N. Engl. J. Med., Bd. 390, Nr. 10, S. 900–910, März 2024, doi: 10.1056/NEJMoa2309822.

[14]      H. Jin u. a., „Chronic exposure to polystyrene microplastics induced male reproductive toxicity and decreased testosterone levels via the LH-mediated LHR/cAMP/PKA/StAR pathway“, Part. Fibre Toxicol., Bd. 19, Nr. 1, S. 13, Feb. 2022, doi: 10.1186/s12989-022-00453-2.

[15]      R. E. Zurub, Y. Cariaco, M. G. Wade, und S. A. Bainbridge, „Microplastics exposure: implications for human fertility, pregnancy and child health“, Front. Endocrinol., Bd. 14, Jan. 2024, doi: 10.3389/fendo.2023.1330396.

[16]      N. Chartres u. a., „Effects of Microplastic Exposure on Human Digestive, Reproductive, and Respiratory Health: A Rapid Systematic Review“, Environ. Sci. Technol., Bd. 58, Nr. 52, S. 22843–22864, Dez. 2024, doi: 10.1021/acs.est.3c09524.

[17]      J. Nie, Y. Shen, M. Roshdy, X. Cheng, G. Wang, und X. Yang, „Polystyrene nanoplastics exposure caused defective neural tube morphogenesis through caveolae-mediated endocytosis and faulty apoptosis“, Nanotoxicology, Bd. 15, Nr. 7, S. 885–904, Aug. 2021, doi: 10.1080/17435390.2021.1930228.

[18]      A. Ragusa u. a., „Raman Microspectroscopy Detection and Characterisation of Microplastics in Human Breastmilk“, Polymers, Bd. 14, Nr. 13, S. 2700, Jan. 2022, doi: 10.3390/polym14132700.

[19]      C. Shi u. a., „Disturbed Gut-Liver axis indicating oral exposure to polystyrene microplastic potentially increases the risk of insulin resistance“, Environ. Int., Bd. 164, S. 107273, Juni 2022, doi: 10.1016/j.envint.2022.107273.

[20]      L. Lu, Z. Wan, T. Luo, Z. Fu, und Y. Jin, „Polystyrene microplastics induce gut microbiota dysbiosis and hepatic lipid metabolism disorder in mice“, Sci. Total Environ., Bd. 631–632, S. 449–458, Aug. 2018, doi: 10.1016/j.scitotenv.2018.03.051.

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